IoT Connect auf der CeBIT 2016

Auf der CeBIT hat Telefónica Deutschland auch sein neues Tarifportfolio für die automatische Kommunikation von Maschine-zu-Maschine (M2M) vorgestellt: IoT Connect bietet ein breites Spektrum von Leistungen, die sich flexibel an die individuellen Anforderungen von Unternehmen anpassen lassen.

Das Kernstück der neuen Lösung für das Internet der Dinge (IoT) ist die Global SIM von Telefónica. Sie verbindet sich in jedem Land automatisch mit dem jeweils stärksten verfügbaren Mobilfunknetz, damit überall die bestmögliche Anbindung für die vernetzten Maschinen gewährleistet ist. Für das Management der angeschlossenen Geräte wird wieder Telefónicas leistungsstarke Plattform genutzt: Smart M2M ist eine intuitive webbasierte Gesamtlösung für Unternehmen, die ihre unterschiedlichen vernetzten Maschinen kosteneffizient und zentral verwalten, visualisieren und überwachen möchten.

Sie besitzt mehr Daten als mancher Internetanbieter: Und Telefónica Deutschland will mehr daraus machen. Der Chef erklärt, warum und wie.

Der Mobilfunkanbieter hinter den Marken O2, E-Plus und Base will sich in den kommenden fünf Jahren zwei völlig neue Geschäftsfelder rund um die Nutzung von Daten erschließen – und mittelfristig ist sogar die Mitgliedschaft im Dax nicht ausgeschlossen. Aber das liegt in der Hand der heutigen Aktionäre. Sicher ist: Das Geschäft mit Partnern wie Aldi oder United Internet, mit Geschäftskunden wie Celesio und den vielen Millionen privaten Mobilfunkkunden will Telefónica Deutschland, der deutsche Marktführer im Mobilfunk, weiter vorantreiben.

Hier sollen die bestehenden Einheiten vor allem schneller und flexibler werden. Hinzu kommen im nächsten Jahr die beiden neuen Geschäftsfelder „Advanced Data Analystics“ (Datenanalyse) und „Internet of Things“ (Internet der Dinge). Damit will das Unternehmen seine Wertschöpfungstiefe erhöhen.

„Wir verfügen über mehr Daten als mancher Internetanbieter“, sagt der Vorstandsvorsitzende Thorsten Dirks im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Daraus müsse Telefónica Deutschland auf den Gebieten der Datenanalyse und des Internets der Dinge viel mehr machen, als dies bisher geschehe. Wie das gehen soll, hat Dirks seinen Mitarbeitern in den vergangenen Tagen auf sieben Mitarbeiterversammlungen in ganz Deutschland erklärt. Die damit verbundene neue Strategie mit dem Namen „Telefónica Deutschland 2020“ liegt der F.A.Z. in einer Zusammenfassung exklusiv vor.

Vernetzung von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen

Dirks, der seit diesem Sommer auch Präsident des deutschen Digitalverbandes Bitkom ist, ist die Brisanz des Themas Datenanalyse mit Blick auf alle Fragen rund um Privatsphäre und Datenschutz bewusst: „Deshalb werden wir den Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben, die Hoheit über die Daten wird stets beim Kunden liegen“, verspricht Dirks. Es werde zahlreiche transparente Möglichkeiten zur Zustimmung und Verweigerung in Fragen der Datennutzung geben.

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Dies vorausgesetzt, ergäben sich aus der Analyse großer Datenmengen viele neue Ideen und Lösungen für alle Bereiche des digitalen Lebens, ist Dirks überzeugt – von der Mobilität über die Gesundheit, den privaten Konsum, bis hin zur öffentlichen Verwaltung. „Außerdem können wir die Datenmenge nutzen, um unseren Kunden immer bessere, auf sie zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen anzubieten.“

Mit Blick auf das Internet der Dinge wiederum könne Telefónica von den Möglichkeiten profitieren, welche die Vernetzung von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen eröffne. Denn diese Vernetzung wird in vielen Fällen mit der Hilfe der aus dem Mobilfunk bekannten SIM-Karten geschehen – und damit das Kerngeschäft von O2 und E-Plus berühren. „Diese Entwicklung wollen wir branchenübergreifend mit vorantreiben“, sagt Dirks.

Im Alltag kann das dazu führen, dass Autoherstellern anonymisiert Verkehrsdaten zur Verfügung gestellt werden. Oder dass einem Mietwagenunternehmen möglich werde, den Nutzern digitale Fahrtenbücher anzubieten – oder Hersteller von Kinderfahrzeugen wie Flugzeugen oder Elefanten, die häufig vor Supermärkten stehen, diese in Echtzeit überwachen können.

Das alles ist schon heute Realität. Aber zwischen solchen Polen gibt es noch viele weitere Anwendungsfälle. Nicht zuletzt dürften solche Vernetzungs-Angebote für Maschinen- und Roboterhersteller attraktiv sein, welche die bestehenden Datensilos in der Produktion aufbrechen wollen. So will Dirks Telefónica Deutschland mit seinen Produkten näher an das alltägliche Leben der Menschen heranführen. Ein Schlagwort dafür hat man auch schon gefunden: das „Onlife“ Telekommunikationsunternehmen, das für Internet-Konnektivität sorgt und Daten analysiert.

1600 Stellen bis 2018 abbauen

Einiges, was zu diesen beiden neuen Geschäftsfeldern passt, hat Telefónica schon heute im Angebot, mehr soll hinzukommen. Vom kommenden Jahr an wird alles in den entsprechenden Einheiten zusammengefasst, kündigt Dirks an. Die klassischen Geschäftsfelder wiederum bekommen künftig eine größere Eigenständigkeit, um in dem wettbewerbsintensiven Geschäft mit den beiden Hauptkonkurrenten Deutsche Telekom und Vodafone bestehen zu können.

Die Zusammenführung der bis vor 14 Monaten eigenständigen Unternehmen Telefónica/O2 aus München und E-Plus aus Düsseldorf funktioniere bisher jedenfalls gut, sagt Dirks. Man habe die neu gewonnene Marktführerschaft nicht nur verteidigt, sondern sogar ausgebaut. „Und das gilt sowohl für die Zahl der Nutzer als auch mit Blick auf den Umsatz, den wir mit jedem Kunden machen“, sagt Dirks.

Zudem habe das Unternehmen seine Profitabilität gesteigert, was zu einer Hälfte auf Synergien und zu einer anderen Hälfte auf Verbesserungen im operativen Geschäft zurückzuführen sei. Die Integration selbst schreite auch schneller voran als geplant – von den 1600 Stellen, die bis zum Jahr 2018 abgebaut werden sollen, ist die Hälfte geschafft, die Konsolidierung in den Filialen kommt voran (300 der ursprünglich 1800 Läden wurden inzwischen an Drillisch abgegeben), und von den 40.000 Mobilfunkmasten würden am Ende nur noch die 26.000 aus der Sicht des Unternehmens besten übrig bleiben. 7700 Masten seien an die Telekom übergeben worden, was für beide Seiten ein gutes Geschäft gewesen sei, sagt Dirks. Die Telekom könne mit ihnen die innerstädtische Versorgung verbessern – und Telefónica habe die Chance, diese Masten bei Bedarf später noch mal als Mieter zu nutzen.

Marktkapitalisierung von rund 16 Milliarden Euro

Die beiden Netze, die in verschiedenen Tests in der Qualität immer wieder schlechter abschneiden als die der Wettbewerber, sollen vom kommenden Jahr an zusammengeführt werden. Die veränderte Rolle, von der Angreiferposition auf den Rängen drei und vier des Marktes zum Marktführer mit insgesamt 48 Millionen Kundenzugängen (43 Millionen davon im Mobilfunk) geworden zu sein, habe das Unternehmen inzwischen angenommen, ist Dirks überzeugt.

Gerätesubventionen seien abgebaut worden. Neue, aus der Sicht von Dirks notwendige Tarifinnovationen wie zum Beispiel die Datenautomatik seien hinzugekommen. Bei dieser Automatik handelt es sich um die automatische Vergrößerung eines aufgebrauchten Datenpakets gegen einen Aufpreis – was unter den Kunden allerdings nicht auf einhellige Zustimmung stößt (F.A.Z. vom 8. Dezember).

Weithin unbekannt ist, dass man in die Zukunft von Mobilfunkmarken wie O2, Base, Blau oder Aldi Talk auch an der Börse investieren kann. Das entsprechende Unternehmen, das Dirks führt, also Telefónica Deutschland, ist mit seinen Aktien an der Deutschen Börse notiert und hat eine Marktkapitalisierung von rund 16 Milliarden Euro.

Damit würde die Gesellschaft ein Kandidat für den Aktienindex Dax – und zwar dann, wenn die ehemalige E-Plus-Muttergesellschaft, der niederländische Telekomkonzern KPN, sich von weiteren Anteilen trennt. Die Marken und der Konzernname würden präsenter, institutionelle Investoren müssten die Aktie kaufen, wenn sie Fonds oder andere Produkte anbieten, welche die Zusammensetzung des Dax abbilden. Dirks selbst will sich zu solchen Gedankenspielen nicht äußern.